So funktioniert das Pensionssystem in Österreich

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Wie funktioniert unser Pensionssystem eigentlich?

Man hört immer wieder, dass es bald nicht mehr so funktionieren wird wie heute, aber was bedeutet das für unsere Zukunft? Ich glaube mittlerweile hat fast jeder verstanden, dass man privat vorsorgen muss, wenn man eine anständige Pension haben will. Von vielen wird diese Tatsache leider entweder völlig ignoriert oder immer auf morgen verschoben. Oft erzählen mir Menschen mit denen ich mich darüber unterhalte auch, dass sie niemanden finden, dem sie wirklich vertrauen können, also einen Berater, der nicht nur an seine Provision denkt. Deshalb sollte sich jeder auch ein gewisses Grundwissen aneignen, bevor man das Thema gemeinsam mit einem Berater angeht. So kann man in der Beratung mitreden und auch verstehen, wovon der Berater spricht. Mit etwas Grundwissen wirst Du schnell bemerken ob er eben nur etwas verkaufen oder einem wirklich helfen will.

Mein Name ist Christoph Hofstädter ich bin Versicherungsmakler und Vermögensberater und in diesem Beitrag erfährst Du das absolut Wichtigste, was Du über unser Pensionssystem in Österreich wissen solltest.

Unser Pensionssystem basiert auf drei Säulen, und zwar dem staatlichen Pensionssystem, der betrieblichen Vorsorge und der privaten Vorsorge.

 

Das staatliche Pensionssystem

Das staatliche Pensionssystem basiert auf dem sogenannten Generationenvertrag, das bedeutet, dass alle erwerbstätigen Menschen die Pensionen jener Menschen finanzieren, die sich bereits im Ruhestand befinden. Jeder von uns der ein Einkommen bezieht, gibt davon jeden Monat/jedes Quartal einen bestimmten Betrag an die PVA (Pensionsversicherungsanstalt) ab. Zusätzlich gibt auch der Arbeitgeber einen Betrag an die PVA ab, der sogar eine Spur höher ist, als der Betrag den man als Arbeitnehmer abgibt.

Bei einem Einkommen von EUR 2.500,- Brutto sind das ca. EUR 250,- die der Arbeitnehmer und EUR 310,- die der Arbeitgeber jeden Monat bezahlen muss. Das Geld fließt dann zur PVA in die staatliche Pensionskassa, die quasi uns allen gehört, also allen Menschen, die in diese Kassa einzahlen oder eingezahlt haben. Jeder der lange genug in die Kassa einzahlt, darf sich dann in seiner Pension, je nachdem wie viel man einbezahlt hat, auch wieder aus der Kassa bedienen.

 

Nichts ist garantiert!

Aber garantiert ist nichts, denn das System funktioniert nach dem sogenannten Umlageverfahren. Die ganzen Beiträge, die in einem Jahr bei der PVA landen, werden im selben Jahr wieder zur Gänze an alle Pensionisten ausbezahlt. Das System hat so auch eine Zeit lang sehr gut funktioniert, aber heute nicht mehr und es wird in Zukunft noch viel weniger funktionieren.

Aktuell fließen jedes Jahr in etwa EUR 37 Mrd. an Beiträgen in die Kasse, aber die Pensionen, die aus dieser Kassa fließen betragen schon heute ca. EUR 44 Mrd. Wie soll das gehen fragt man sich, da fehlen doch 7 Mrd.? Es ist so, dass der Staat diese Differenz, diese 7 Mrd. aus Steuergeldern zuschießen muss. Es gibt zwei Gründe warum diese Differenz immer größer wird und das System in den nächsten Jahrzehnten noch schlechter funktionieren wird als heute.

 

Quelle: Die österreichische Sozialversicherung in Zahlen

Warum das staatliche System bald nicht mehr so funktionieren wird wie heute

  1. Wir werden immer älter, die Lebenserwartung steigt jedes Jahr an und somit gibt es auch immer mehr Menschen, die eine Pension beziehen. Wenn es auf der einen Seite nun immer mehr Menschen gibt, die eine Pension aus der Kasse wollen, aber es noch immer gleich viele oder sogar weniger Menschen gibt, die in die Kasse einzahlen, wird die Differenz immer größer und früher oder später geht sich das Ganze gar nicht mehr aus.
  2. Die demographische Entwicklung in Österreich ist eine große Herausforderung für unser Pensionssystem. Die untenstehende Grafik kennt vermutlich noch jeder aus dem Geo- oder Geschichteunterricht, aber was hat sie mit dem Pensionssystem zu tun? Die Grafik zeigt wie viele Menschen welcher Altersgruppe in Österreich leben. Gleich am ersten Blick fällt einem auf, dass die meisten Menschen in Österreich heute zwischen 50 – 60 Jahre alt sind. Das sind die lieben Babyboomer, die in den 1960er Jahren geboren wurden. Sie bilden den größten Teil unserer Gesellschaft und zahlen aktuell noch Beiträge in das Pensionssystem ein. Doch nicht mehr lange, denn sie gehen in den nächsten 10 bis 15 Jahren alle in Pension und werden dann keine Beiträge mehr in die Kassa einzahlen, sondern wollen Pensionen ausbezahlt bekommen.

 

 

Bevorstehende Änderungen

Es muss sich an dem System etwas ändern damit es finanzierbar bleibt. Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder das Pensionsantrittsalter wird erhöht oder die Pensionen werden reduziert. Ich glaub, dass beides passieren wird:

  1. Die Erhöhung des Pensionsantrittsalters passiert auch jetzt gerade schon. Für Männer ist das Regelpensionsalter heute schon 65 und für Frauen wird es aktuell Schritt für Schritt auf 65 angehoben. Ab dem Jahr 2033 wird das Regelpensionsalter für Frauen und Männer dann definitiv bei mindestens 65 Jahren liegen. In Deutschland liegt es zum Beispiel heute schon bei 67 Jahren. Ich gehen davon aus, dass wir auch nicht bei 65 bleiben werden, sondern, dass wir das Regelpensionsalter Schritt für Schritt weiter erhöhen werden. Ich rechne nicht damit, eine staatliche Pension zu bekommen, bevor ich 70 bin und ich vertraue auch nicht auf die Werte, die mir zum Beispiel der Pensionsrechner der Arbeiterkammer verspricht. Ich verlinke Dir hier den Rechner, dort kannst Du Dir mal durchrechnen was Dir aus dem staatlichen Pensionssystem in Aussicht gestellt wird, aber bitte verlasse Dich nicht auf diese Zahlen. Keiner garantiert diese Werte.

https://pensionsrechner.arbeiterkammer.at/

  1. Ich rechne wie gesagt auch mit einer Reduktion der staatlichen Pensionen. Ich persönlich kalkuliere meine Altersvorsorge so, dass ich mit gar keiner staatlichen Pension rechne. Ich weiß, das wird vermutlich nicht der Fall sein und auch ich werde noch eine kleine Pension bekommen. Allerdings fühle ich mich nicht sicher, wenn ich mit einem Betrag kalkuliere, der unvorhersehbar ist und das ist die staatliche Pension in meinem Fall definitiv. Zum heutigen Zeitpunkt bin ich nämlich noch 40 Jahre von meiner Pension entfernt. Bei einer privaten Pensionsvorsorge ist die Vorhersehbarkeit viel einfacher und auch zahlreiche weitere Aspekte sehen viel besser aus.

 

Unterschiede zwischen dem staatlichen, betrieblichen und privaten Pensionssystem

Der größte Unterschied zwischen dem staatlichen Pensionssystem und der betrieblichen sowie privaten Vorsorge ist, dass beim staatlichen System die Beiträge nicht in unserem Privateigentum verbleiben, sondern in unser Sozialversicherungssystem fließen und im selben Jahr sofort wieder an die Pensionisteninnen und Pensionisten in unserem Land ausbezahlt werden. Das nennt sich wie schon erwähnt Umlageverfahren.

Die betriebliche und private Altersvorsorge funktioniert nach dem Prinzip des Kapitaldeckungsverfahren. Das bedeutet, dass die Beiträge, die hier einbezahlt werden, in eine Art Topf fließen und dort veranlagt werden. Dieses Geld kann „für mich arbeiten“ und mir Zinsen erwirtschaften und eines Tages, wenn ich in Pension gehe, nehme ich mir aus meinem eigenen Topf das Kapital inklusive Zinsen wieder heraus. Die einbezahlten Beiträge bleiben somit immer in meinem Privateigentum und können anders als beim staatlichen System auch Zinsen für mich erwirtschaften.

Die betriebliche Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge bietet ein paar steuerliche Vorteile, aber hier kann man das Investment nicht frei wählen. Die Beiträge werden grundsätzlich so investiert, dass es möglichst geringe Wertschwankungen gibt, was aber leider dazu führt, dass die Zinsen eher gering ausfallen. Dies macht die betriebliche Vorsorge eher unattraktiv. Wenn Dein Arbeitgeber die Beiträge für Dich bezahlt, ist es trotzdem eine sehr gute Sache 🙂

Privat und staatlich gefördert?

Ähnlich ist es auch bei den privaten Vorsorgevarianten, die vom Staat gefördert werden. Da bekommt man zwar eine Förderung, ist aber wieder gezwungen eine bestimmte Veranlagung zu wählen, mit der man vermutlich nur sehr geringe Zinsen erwirtschaften wird. Pauschal kann man aber nicht sagen, dass eine betriebliche oder staatlich geförderte private Altersvorsorge nicht gut ist, das muss man immer für die eigene individuelle Situation herausfinden.

Die private Altersvorsorge

Zu guter letzte gibt es noch alle anderen „Anlageklassen“, die zur privaten Altersvorsorge gehören. Dazu zählen Aktien, Immobilien, Investmentfonds, Fondsgebundene Lebensversicherungen, ETFs, P2P-Kredite, Kryptowährungen usw… Die werden zwar so gut wie gar nicht staatlich gefördert, aber da hat man den Vorteil, dass man noch richtig gute Zinsen damit erwirtschaften kann! Wenn man langfristig und geschickt investiert, sind 6 – 8 % pro Jahr ein durchaus realistischer Wert.

Um ein Gefühl zu bekommen was 6 % auf eine lange Laufzeit ausmachen können, habe ich zum Abschluss noch ein kleines Rechenbeispiel. Angenommen ich investiere bis zu meiner Pension EUR 300,- pro Monat, dann sind das EUR 3.600,- pro Jahr. Ich bin jetzt 25, angenommen ich kann wirklich mit 65 in Pension gehen, dann habe ich noch genau 40 Jahre bis zu meiner Pension.

Somit 3.600,- x 40 = EUR 144.000,- Das kommt ungefähr dabei heraus, wenn ich jeden Monat EUR 300,- auf mein Sparkonto lege.

Wenn ich das Geld aber geschickt investiere und 6 % Zinsen pro Jahr erwirtschafte, dann starte ich nicht mit EUR 144.000,- sondern mit ca. EUR 472.000,- in meine Pension und das nach dem ich die Gewinne bereits versteuert habe.

Ich hoffe, dass Du jetzt verstanden hast, wie ernst die Lage um Deine zukünftige Pension ist. Wenn Du Deine Altersvorsorge professionell angehen möchtest und das Thema endlich mit einem richtig guten Gewissen abhaken willst, dann bist Du in meiner Onlineberatung herzlich willkommen!

 

Zur kostenlosen Onlineberatung

 

Hier noch mein YouTube-Video zum unserem Pensionssystem:

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