Bausparen

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Das „gute“ alte Bausparen

Bausparen ist eine super Sache, es ist sicher, man bekommt Zinsen + eine staatliche Förderung und nach sechs Jahren kriegt man eine schöne Summe ausbezahlt. Danach kann man gleich wieder einen neuen Bausparer abschließen. So oder so ähnlich hört man es von vielen Bankmitarbeitern und genauso haben es auch schon unseren Eltern und auch Großeltern ihr ganzes Leben lang gemacht. Bausparen ist nach wie vor die beliebteste Sparform in Österreich.

In diesem Artikel will ich den guten alten Bausparvertrag mal so objektiv wie möglich analysieren. Jeder der mir auf Instagram folgt, wird schon mitbekommen haben, dass ich nicht der größte Fan von Bausparverträgen bin. Hier geht’s zu meinem Insta:

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Ich werde kurz erklären wie ein Bausparvertrag und eine Bausparkasse funktioniert und welche Rendite man konkret mit einem Bausparvertrag machen kann. Zum Abschluss werde ich noch meine eigene Meinung zum Bausparen teilen und erklären warum ich heute keinen Bausparvertrag mehr habe, sehr wohl aber ein Bauspardarlehen.

Bausparen in Österreich:

Bausparen ist schon älter als unsere Zeitrechnung, und zwar hat es seien Ursprung in China vor über 2000 Jahren. Heute im Jahr 2021 gibt es in Österreich noch immer ca. 3,8 Millionen aktive Bausparverträge. Der Trend geht allerdings sehr stark nach unten.

 

Quelle: Österreichische Nationalbank

Es gibt vier Bausparkassen, die Wüstenrot Bausparkasse, die Raiffeisen Bausparkasse, die Start Bausparkasse und die sBausparksse. Bausparkassen sind keine Banken, sie gehören aber so gut wie alle zu verschiedenen Banken.

Wüstenrot Bausparkasse   Raiffeisen Bausparkasse   Start Bausparkasse   s Bausparkasse

Die Raiffeisen gehört der Raiffeisen Gruppe. Die Start Bausparkasse gehört der BAWAG. Die sBausparkasse gehört der Erste Bank und die Wüstenrot Bausparkasse gehört zum größten Teil, mit knapp über 80% heute noch der Wüstenrot Wohnungswirtschaft Genossenschaft. Es sind zwar auch noch viele andere Banken daran beteiligt. Unter anderem die Bank Austria, die BAWAG, die Oberbank, die Austrian Anadi Bank und ein paar Hypo Landesbanken. Dadurch, dass der größte Teil der Wüstenrot Genossenschaft gehört, dient sie aber wirklich noch den Sparern und den Darlehensnehmern.

Wie funktioniert eine Bausparkasse:

Alle Bausparkassen haben die gleiche Grundidee: Menschen die eigene Immobilie zu ermöglichen. Ohne einen Kredit aufzunehmen ist, das für die meisten von uns heute leider nicht mehr möglich. Da kommt, die Bausparkasse ins Spiel. Vor einigen Jahrzehnten war das Zinsniveau noch viel höher als heute. Es war normal bei einem Bankkredit für eine Immobilie über 5% oder sogar 10 % an Zinsen zu zahlen. Die Bausparkassen hingegen haben zu der Zeit deutlich niedrigere Zinsen ermöglicht, und zwar so:

Eine Bausparkasse hat genau zwei Produkte im Angebot. Einerseits die Ansparverträge, wo wir Geld anlegen können und dafür Zinsen bekommen. Diese Zinsen liegen aktuell bei ca. 0,2% – 0,5 % pro Jahr. Andererseits das Bauspardarlehen, mit welchem wir uns Geld ausborgen können und dafür Zinsen zahlen müssen. Für ein Darlehen liegen die Zinsen aktuell bei ca. 0,8% – 1,5 % pro Jahr. Man kann sagen eine Bausparkasse ist ein großer Zusammenschluss von vielen Menschen. Die einen geben ihr Geld her und die anderen bekommen dieses Geld, um Wohnraum zu erschaffen.

So machen Bausparkassen Gewinne:

Wie Anfangs schon erwähnt gibt es aktuell ca. 3,8 Millionen aktive Bausparverträge in Österreich. Allein bei der Wüstenrot Bausparkasse betragen die gesamten Bauspareinlagen über 5 Milliarden Euro. Diese Einlagen werden von der Bausparkasse wiederum als sogenanntes Bauspardarlehen vergeben. Der Darlehenszinssatz, den die Bausparkasse dafür bekommt, ist natürlich immer deutlich höher als der Analagezins den die Sparer bekommen. Die Bausparkasse muss mit der Differenz zwischen Darlehens- und Anlagezins alle Kosten der decken. Alles was dann am Ende vom Jahr noch übrig bleibt ist der Gewinn.

Das Bauspardarlehen:

Ein Bauspardarlehen kann grundsätzlich nur für wohnwirtschaftliche Zwecke aufgenommen werden. Das kann zum Beispiel der Kauf einer Wohnung, eines Hauses oder eines Grundstückes sein. Aber auch die Errichtung von einem neuen Haus oder ein Finanzierungsbeitrag für eine Genossenschaftswohnung kann mit einem Bauspardarlehen finanziert werden. Unter bestimmten Umständen kann man damit auch Einrichtung und teure Ausbildungen wie ein privates Medizinstudium oder den Pilotenschein finanzieren.

Wer bekommt ein Bauspardarlehen?

Viele Menschen glauben man benötigt vorher einen Ansparvertrag um dann ein Bauspardarlehen zu bekommen. Das war einmal so, ist heute aber nicht mehr der Fall. Es gibt trotzdem bestimmte Auflagen, die man erfüllen muss, um ein Bauspardarlehen zu bekommen. In den meisten Fällen ist ein Bauspardarlehen von den gesamten Konditionen und vom Zinssatz her, aber nicht unbedingt günstiger als eine klassischen Bankfinanzierung. Es kommt aber auf sehr viele Faktoren an. Ich selbst habe zum Beispiel aktuell auch ein Bauspardarlehen offen, weil es zum Zeitpunkt wo ich es abgeschlossen habe, für mich eine sehr günstige Variante war.

Bauspardarlehen in Zukunft:

Bauspardarlehen werden nur so lange möglich sein, solange es Menschen gibt, die auch einen Bausparer abschließen. Wie wir ganz am Anfang von dem Video gesehen haben werden das jedes Jahr weniger. Warum das so ist, liegt vielleicht daran was ein Bausparvertrag so kann, das schauen wir uns jetzt genauer an.

Der Ansparvertrag:

Es gibt verschiedene Varianten wie ich in einen Bausparvertrag einzahlen kann. Ich kann eine monatliche Zahlung vereinbaren, aber auch vierteljährlich, halbjährlich, jährlich oder auch die ganze Sparsumme gleich zu Beginn einzahlen. Bei einem klassischen Bausparvertrag kann man zwischen 30 – 100 EUR monatlich einzahlen. Die Laufzeit beträgt sechs Jahre. Natürlich kann man den Vertrag auch schon vor den sechs Jahren auflösen und auf das Geld zugreifen. Dabei entstehen aber Kosten, weil man den Vertrag nicht eingehalten hat. Man bekommt schlussendlich weniger zurück, als man einbezahlt hat.

Wenn man den Vertrag die vollen sechs Jahre durchzieht und jeden Monat EUR 100 einzahlt, bekomm man neben den Zinsen von der Bausparkasse aktuell vom Staat auch noch eine Förderung in der Höhe von 18 EUR jährlich. So schaut das dann nach sechs Jahren in Summe aus. Ein gigantischer Gewinn von EUR 104,43.

Berechnung Bausparguthaben

Quelle: Bausparrechner der Raiffeisen Bausparkasse

Wenn man gleich zu beginn EUR 7.200 einbezahlt, dann ist der Gewinn nach sechs Jahren mit EUR 189,50 noch fetter.

Berechnung Bausparguthaben

Nein, Spaß bei Seite, ein Bausparvertrag ist zwar ein sehr sicheres Investment, aber gleichzeitig auch ein sicherer Wertverlust. Denn die Inflation ist deutlich höher als die mickrige Verzinsung. Warum sollte ich mein Geld dafür sechs Jahre lang sperren. Das macht meiner Meinung nach absolut keinen Sinn. Mann sollte sich immer zuerst die Frage, warum man überhaupt Geld spart, bevor man sich für eine Anlage entscheidet.

Die beliebteste Sparform Österreichs!

Der Bausparvertrag ist heute noch immer die beliebteste Sparform in Österreich. Wenn man im Jahr 2021 aber einen neuen Bausparvertrag abschließt, dann nicht, weil er eine gute Variante ist, um Geld zu veranlagen. Nein, dann hat man sich selbst viel zu wenig Gedanken über sein Geld und eine passende Anlage gemacht. Ich kooperiere auch mit zwei Bausparkassen, aber nur mehr im Bereich Darlehen. Unsere Kunden bekommen keine Ansparverträge mehr, obwohl wir die natürlich vermitteln könnten. Aber ganz egal aus welchem Grund man Geld veranlagen will, ein Bausparvertrag ist nie die richtige Lösung. Du möchtest die richte Lösung für deine Altersvorsorge finden, oder deinen Vermögensaufbau professionell angehen? Dann kannst du dich hier gerne für meine Onlineberatung eintragen:

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In einem meiner YouTube Videos habe ich alles zum Thema Bausparen nochmal zusammengefasst. Hier das Video:

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